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Kunstraum Medien - Dietmar Lehmann 1998 | Melitta Förderpreis Bildende Kunst, Minden
Jury u.a. Dr. Jean-Christophe Amman, Musem für Moderne Kunst Frankfurt

"Kunstraum Medien"

1998 - Internationales Kunstprojekt

Der Künstler Dietmar Lehmann hat sich mit seiner Aktion "Kunstraum Medien" zum Ziel gesetzt, die Lesegewohnheiten abrupt zu stören, um so die uns heute zur Gewohnheit gewordene ungebremste und unkontrollierte Nutzung der Medien wenigstens für einen Moment zu unterbrechen.

Im direkten zeitlichen Zusammenhang mit dem ausgeschriebenen Melitta Förderpreis erschienen in Abfolge überregionale und internationale Zeitungen, in denen unmittelbar vor dem Erscheinen in der Gesamtauflage auf Einzelseiten "Interventionen" stattfanden. Indem zur Veröffentlichung vorgesehenes Bild- und Informationsmaterial kurz vor Druck der Zeitung partiell zerstört wurde und damit unwiderruflich verloren ist, sollten gewohnte Wahrnehmungs- und Erkenntnisprozesse unterbrochen werden.

 

presseDas Parlament, Nr.9., 26. Februar 1999

Sehstörung

"Viel wird in den Zeitungen zum Verhältnis von Kultur und Politik, auch von Kunst und Politik gesagt. Es lag nahe, die Künste auch selbst mit ihren Mitteln zu Wort, besser zu Bild kommen zu lassen, auf das Medium Zeitung und die Lesegewohnheiten der Nutzer des Blattes zielend.
Der im westfälischen Minden arbeitende Künstler Dietmar Lehmann (45) hat sich zum Ziel gesetzt, diese Lesegewohnheiten abrupt zu stören, um so die uns heute zur Gewohnheit gewordene ungebremste und unkontrollierte Nutzung der Medien wenigstens für einen Moment zu unterbrechen. Einmal innehalten, den Überraschungseffekt nutzen, um wieder kritischer mit der Informations- und Bilderflut umgehen zu können, das wäre das Ziel dieser mit den Mitteln der Kunst unternommenen Medienkritik, die unsere Leser auf dieser Seite testen können.

Lehmann macht derartige "Sehstörungen nicht zum erstenmal. Im "Mindener Tageblatt" und in der "Neuen Westfälischen" hat er im vergangenen Jahr mit seinen Streifen aus Bild- und Textfragmenten die Leser irritiert und eine kontroverse Diskussion um Sinn und Zweck derart drastischer Beeinträchtigung der gewohnten Zeitungslektüre ausgelöst. Und auch im Ausland - in Zeitungen in St. Petersburg und im weißrussischen Minsk. Hier war die Überraschung ob des ungewohnten Zeitungsbildes fast noch größer, ließ manchen auch ahnen, was Kunst- und Pressefreiheit bedeutet. Immer geht es darum, allzu vertraute und darum kritiklos hingenommene Sichtweisen auf den uns umgebenden Alltag zu hinterfragen. "Der Verlust von Zusammenhängen" so Lehmann, betont die Künstlichkeit heutiger Wirklichkeitserfahrung.

Dietmar Lehmann wurde 1953 in Bremen geboren. Nach Abschluss eines Bildhauereistudiums bei Waldemar Otto und eines Studiums der Kulturpädagogik lebt und arbeitet er seit 1985 in Minden.
ks

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Pressetext Lehmann dpa dpa (dpa/nw) August 1998

Westfälischer Künstler "verstört" Zeitungsleser in Ost und West
von Gerd Korinthenberg,

dpa Minden (dpa/nw) - Aufmerksame Zeitungsleser im fernen St. Petersburg, in Minden und Bielefeld oder der weißrussischen Stadt Grodno wunderten sich in den vergangenen Wochen: Über die Kulturseiten ihrer Zeitungen zog sich ein handbreiter, unleserlicher Streifen aus Textschnipseln, ein Band in Blau oder Schwarz. Ein technischer Fehler, optisches Gegenstück zum Rauschen und Krächzen aus den alten Tagen des "Dampfradios", das kann doch wohl beim computergedruckten Tageblatt nicht sein? Ursache der durchaus beabsichtigten "Bildstörung", die wohl manchen Zeitungsleser beim Frühstück tief verunsicherte, ist vielmehr der Mindener Künstler Dietmar Lehmann.

Für seinen künstlerischen "Eingriff" in die routinierte Zeitungswelt, zu der der 45-jährige Künstler zweifelnde Verleger, skeptische Redakteure und unwillige Drucker erst sanft überreden musste, hat der gebürtige Bremer einen tiefgründigen Anlass: Viel zu selbstverständlich "konsumieren" Leser und Hörer die steigende Nachrichtenflut der Medien, die die weite Welt - wie in Lehmanns unleserlichen Textstreifen - nur in Fragmenten zusammenhanglos vermitteln. "Wie ein Trojanisches Pferd", so der studierte Bildhauer, habe er sich hier in die eingespielte Beziehung zwischen "Sender" und "Empfänger" einschleichen wollen, um den abgenutzten Kommunikationsprozess zu stören, damit aber auch deutlicher zu machen. "Eingeschlichen" hat sich Lehmann dazu jeweils zu später Stunde in die Redaktionsstuben in Ost und West, um die bereits fertig "gebauten" Kulturseiten der Blätter unter dem Zeitdruck des Produktionsbeginns zu verfremden. Mit der Rotation im Rücken, den Klebestift für die zerlegten Textfolien in der Hand, "hat man dazu nur höchstens zwei Stunden Zeit", schildert der Künstler, der seine Aktion "von einer Zeitung zur nächstgrößten" fortsetzen möchte. Nach dem heimatlichen "Mindener Tageblatt" und Bielefelds "Neuer Westfälischer", einem Kulturblatt in St. Petersburg und der regierungsamtlichen "Prawda" im weißrussischen Grodno wäre nun eine Gazette in Minsk an der Reihe, wo jedoch aktuelle Sorge um die Pressefreiheit das freche Projekt bislang scheitern ließ. Auch einen anderen, wohlkalkulierten "Störfall" in der heilen Medienwelt könnte sich Dietmar Lehmann gut vorstellen: "Ich wünschte mir, dass auch mal die Fernseh-Abendnachrichten einen Filmriss hätten." Aug. 98

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Kunstraum Medien
Dietmar Lehmann 1998

Melitta Förderpreis Bildende Kunst, Minden

Veröffetnlicht in folgenden Zeitungen
Das Parlament, Berlin
Grodnoer Prawda, Weißrussland
Thas Pik, St. Petersburg (GUS)
Neue Westfälische, Bielefeld
Mindener Tageblatt, Minden
Schaumburger Nachrichten, Rinteln

Jury u.a.
Dr. Jean-Christophe Amman, Musem für Moderne Kunst Frankfurt

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